Schneiden mit Stickstoff oder Sauerstoff Wie funktioniert das Schneiden mit einem Faserlaser? Das Schneidgas bestimmt die Schnittkante, die Schnittgeschwindigkeit und die maximale Schnittdicke. Sauerstoff schneidet dicken Baustahl dank einer exothermen Reaktion, während Stickstoff bei Edelstahl und Aluminium eine saubere, oxidfreie Schnittkante erzeugt. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wann welches Gas Sie wählen sollten.

Inhaltsverzeichnis
Stickstoff- oder Sauerstoffschneiden: Worin liegt der Unterschied?
Beim Schneiden mit Stickstoff oder Sauerstoff dreht sich alles um die Reaktion an der Schneide. Sauerstoff verbrennt das Metall teilweise (exotherm) und ermöglicht so dickere Schnitte mit weniger Energieaufwand, hinterlässt aber eine Oxidschicht. Stickstoff ist inert: Er verdrängt das Schmelzbad ohne Oxidation und erzeugt eine saubere Schneide.
| Schneidgas | Vorteil | Nachteil | Am besten geeignet für |
|---|---|---|---|
| Sauerstoff (O₂) | Dickere Schnitte, weniger Stromverbrauch | Oxidschicht am Rand | Dickes Baustahl |
| Stickstoff (N₂) | Saubere, weiße Kante | Höherer Gasverbrauch und höherer Stromverbrauch | Edelstahl und Aluminium |
| Druckluft | Wirtschaftlich im Gebrauch | Begrenzte Dicke und Qualität | Dünnes Material |
Wann entscheiden Sie sich für Sauerstoff?
Sauerstoff ist die optimale Wahl für dicke Baustähle. Die exotherme Reaktion erzeugt zusätzliche Wärme, wodurch sich dickere Materialien mit derselben Leistung schneiden lassen – bis zu 60 mm bei 6 kW. Die dunkle Oxidschicht an der Schnittkante ist für Konstruktionsarbeiten in der Regel unproblematisch, erfordert aber mitunter eine Nachbearbeitung beim Lackieren oder Schweißen.
Wann wählt man Stickstoff?
Stickstoff wird für Edelstahl und Aluminium verwendet, überall dort, wo eine saubere, sofort verarbeitbare Schneide wichtig ist. Der Gasverbrauch ist höher und man benötigt mehr Leistung für die gleiche Materialstärke, aber die Qualität der Schneide ist ohne Nachbearbeitung hervorragend.
Druckluft als kostengünstige Alternative
Für dünne Bleche ist Druckluft eine kostengünstige Alternative. Sie enthält etwa 781 µg/3 t Stickstoff und bietet bei dünnen Materialien einen guten Kantenschliff zu geringen Kosten. Für dickere oder hochwertige Werkstücke sind reiner Stickstoff oder Sauerstoff weiterhin die bessere Wahl.
Das richtige Schneidgas für Ihre Arbeit
Welches Gas am besten geeignet ist, hängt von Ihren Geräten und dem benötigten Strom ab. Berücksichtigen Sie daher auch Folgendes: welche Laserleistung Sie benötigen und der Vergleich Faser- oder CO₂-Strahlung zum Metallschneiden. Weitere Hintergrundinformationen zum Prozess finden Sie unter Wikipedia-Artikel zum Thema Laserschneiden.
Häufig gestellte Fragen
Warum erzeugt Stickstoff eine sauberere Schneide?
Stickstoff reagiert nicht mit dem Metall und bläst das geschmolzene Material ohne Oxidation weg. Dadurch erhält man eine saubere, oxidationsfreie Schneide, die sofort weiterverarbeitet werden kann.
Kann man Baustahl mit Stickstoff schneiden?
Ja, mit Luft oder Stickstoff lässt sich Baustahl sauber schneiden, allerdings mit geringerer Dicke als mit Sauerstoff. Bei 6 kW erreicht man mit Stickstoff oder Luft etwa 45 mm, mit Sauerstoff hingegen 60 mm.
Ist Druckluft genauso gut wie Stickstoff?
Bei dünnen Materialien ist Druckluft eine kostengünstige Alternative, bei dickeren oder qualitativ hochwertigen Werkstücken hingegen sorgt Stickstoff für eine sauberere und zuverlässigere Schneide.
Die Wahl zwischen Stickstoff- und Sauerstoffschneiden beeinflusst auch Ihre Betriebskosten. Sauerstoff ist günstig, aber beim Schneiden werden große Mengen Stickstoff unter hohem Druck verbraucht, was die Kosten pro Meter erhöht. Viele Unternehmen erzeugen daher ihren eigenen Stickstoff mithilfe eines Stickstoffgenerators, um ihre Gaskosten zu senken.
Sie sind sich bei einem bestimmten Material unsicher? Ein kurzer Schneidtest zeigt Ihnen sofort, welches Gas die beste Kombination aus Geschwindigkeit, Schnittqualität und Kosten bietet. MetaQuip unterstützt Sie bei dieser Entscheidung anhand Ihrer Bleche und Materialstärken.
Schneidgas und Schnittqualität in der Praxis
Neben der Wahl des Gases bestimmen auch Gasdruck, Düsendurchmesser und Fokusposition die endgültige Schnittqualität. Zu niedriger Druck führt zu Gratbildung, zu hoher Druck hingegen zu Gasverschwendung. Bei Stickstoff verwendet man im Allgemeinen einen höheren Druck für eine saubere Schneide, bei Sauerstoff hingegen einen niedrigeren.
In der Praxis erstellt man für jedes Material und jede Dicke ein individuelles Rezept: Gas, Druck, Leistung und Geschwindigkeit. Moderne Faserlaser speichern diese Parameter und ermöglichen so einen schnellen Wechsel zwischen beispielsweise dickem Baustahl unter Sauerstoffatmosphäre und dünnem Edelstahlblech unter Stickstoffatmosphäre.